Tomaten – Saatgutvermehrung

Gerti Daube hat uns diesen Bericht vom Erhalter Brettschneider gegeben.

Er hat 4 Tomatensorten aus Kasachstan, mit den Namen die seine Verwandten ihnen gegeben haben, erhalten.

  1. Zitronen-Tomate: Stab-Tomate, 2-kammerig, gelb, süß, ziemlich früh reifend, Fruchtform etwas länglich mit Spitze (und Farbe) an eine Zitrone erinnernd. Von reifen Früchten lässt sich die Haut auch ungebrüht gut abziehen. Bei ihm seit 1973.
  2. Pflaumen-Tomate: Stabtomate, 2-kammerige, leuchtend rote, längliche, feste Frucht, gutes Aroma. Die Sorte wurde vor allem zum milchsauer Einlegen (wie Gurken) verwendet, die sich gut halten und schnittfest bleiben. Bei ihm seit 1973.
  3. Neger-Tomate: Stabtomate, Früchte in unterschiedlicher Größe, die kleineren 2-kammerige, die großen vielkammerige Fleischtomaten, gutes Aroma, sehr saftig und vielkernig. Frucht sehr dunkelrot oliv geflammt, gut für den Frischverzehr, aber auch für Suppen usw., besonders der Farbe wegen. Erhalten etwa seit 1983.
  4. Mandarin-Tomate: Stabtomate, aber schwach wachsend, Fleischtomate großfruchtig, süß wenig Kerne, nicht so saftig wie die „Neger-Tomate“. Farbe: leuchtend orange. Er findet sie sehr wohlschmeckend, wenn auch weniger ertragreich als die anderen.

Außerdem hat er noch 4 „westliche“ Sorten weiter vermehrt.

  1. Rheinlands-Ruhm: 2 kammerige rote Stabtomate mit gutem Ertrag. Neigt bei zu hohen und zu niedrigen Temperaturen zu „Grünkragigkeit“, weil die Pflanze dann ihr angebotene Nährstoffe (in diesem Fall Kali) nicht aufnehmen kann. Die Sorte wurde von Frembgen gezüchtet und kam 1925 erstmals in den Handel. Sie liebt es nicht dicht an oder unter Glas oder Folie zu stehen. Bei ihm ist die Sorte seit etwa 1965.
  2. Moneymakers: Stabtomate, 2-kammerige rotfruchtige, verträgt (im Gegensatz zu Rheinlands-Ruhm) auch Standort dicht an Folien- oder Glasfläche. Ertrag sehr gut, gutes Aroma, bei ihm seit ca. 1970.
  3. St. Pierre: Stabtomate, vielkammerige Fleischtomate mit großen roten, sehr wohlschmeckenden Früchten. Ertrag mittel bis gut. Bei ihm seit etwa 1970.
  4. Zuckertraube: Stabtomate, Cherry-Tomate, rotfruchtig, sehr wüchsig, reichtragend (nur die unterste Fruchtetage ist meist sehr mager besetzt), sehr wohlschmeckend. Die Sorte ist eine bio-dynamische Züchtung und im Handel erhältlich bei Bingenheimer Saatgut AG.

Anzucht und Kultur

Aussaat zwischen dem 1. und 11. März an Fruchttagen nach den „Aussaattagen“ von Maria Thun. Bis zum Keimbeginn auf der Fensterbank, jede Sorte in einen Topf mit Etikett, Sorte, Erntedatum des Saatgutes usw. und Aussaatdatum. Keimbeginn heißt: Wenn der Keimling einen Buckel zeigt, also noch vor der Entfaltung des Keimblattes. Dann kommt der Topf ins frostfrei gehaltene Kalthaus (die Pflanzen hätten auf der Fensterbank zu wenig Licht und würden „langbeinig“). Nach Entfalten des Keimblattes pikiere ich in 9 cm-Töpfe in Kompost mit etwas Sand (ca. 10 % ohne Zusatzdünger. Jede Sorte bekommt eine andere Topfform und – farbe, so dass die Sorten notfalls auch ohne Etikett unterscheidbar sind, natürlich ist notieren absolut notwendig. Durchpikieren geschieht wie jede Pflegearbeit und Bodenbewegung an „Frucht-tagen“ nach dem „Thun-Kalender“.

Nach Mitte Mai wird in den vorne und hinten offenen Tunnel gepflanzt. Hierbei dünge ich das Beet mit Hornspänen, gemahlenen Eierschalen oder Algenkalk und etwas Holzasche. Pflanzabstände ca. 60 cm. Ich ziehe die Pflanzen an Schnüren hoch, die ich vor einer möglichen 2. Verwendung auskoche, wegen der Pilzgefahr. Die Seitentriebe breche ich aus („ausgeizen“), damit die Pflanze nicht zu dicht wird, was auch dem Pilzbefall Vorschub leisten würde. Bis etwa 1970-75 standen unsere Tomaten im Freiland, aber dann nahm die Braunfäule überhand. Deshalb jetzt nur noch überdacht.

Über der 6. Fruchtetage (bei der Sorte „Mandarin“ meist schon über der 3.) breche ich die Spitze aus. (Ein Blatt über der Rispe muss stehen bleiben).

Für die Erhaltung der Fruchtbarkeit ist (neben der Beobachtung der Rhythmen nach Frau Thuns Kalender) wichtig, dass grundsätzlich die 1. Frucht (die Stamm-nächste) jeder Traube für Saatgut nicht taugt. Außerdem bemühe ich mich, von Jahr zu Jahr die Erntehöhe für die Nachzucht zu wechseln, z.B. 1. oder 2. Etage im einen, 5. oder 6 Etage im nächsten Jahr. Aufzeichnungen sind dafür sehr hilfreich. Für den Verkauf der Pflanzen ist das egal, nicht aber für den Erhalt der Sorte: Pflanzen können sich an bestimmte Höhen für Frucht- bzw. Samenansatz gewöhnen. Samenbildung ist das Ziel jeder Pflanzengeneration und wenn sie sich „merkt“ in welcher Höhe es sich nicht lohnt, wird sie sich auf Dauer die Mühe sparen.

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